"Winner" für Werner Weis . . . zum Gedenken
Ich möchte heute an Werner Weis erinnern und gedenken, der vor einem Jahr an
Weihnachten verstarb. Gut, es sterben jeden Tag zahlreiche Menschen, warum al-
so dieser Aufwand ? Ja, es sterben viele Menschen, an jedem Tag, an vielen Or-
ten in der Welt, gewaltsam oder natürlich. Manche stechen heraus, weil man mit
ihnen eine gute Zeit verbrachte; weil sich mit ihnen eine Seelenverwandschaft ver-
band; weil sie leuchteten, hell und ungewöhnlich. Aber auch, weil wir zu schnell zu
leicht vergessen. Das Leben geht weiter, bloss nicht lange verharren, gar stehen
bleiben. Ich bleibe eigenartigerweise häufig stehen, erinnere mich gerne, kann ein-
fach nicht vergessen. Werner fertigte eigenartige Bilder. Nahezu extrem gewöhnl-
ich. Viele fragten sich: was soll das ? Wie kann man solche Fotos machen ? und
klickten rasch weiter. Hin, zu den Nacktfotos schöner Frauen, oder zu den tollen
Reisebildern über eine Kenia-Tour, oder Arktis-Tour. Ja . . . DAS waren Fotos, a-
ber doch nicht die von Werner Weis. Werner Weis zeigte uns den Alltag, seinen
Alltag. Und es waren stets Siege über den Alltag, unseren Alltag. Während wir den
schönen Dingen des Lebens nachhetzten und nicht genug bekommen konnten,
verweilte er, im Hier und Jetzt. An einer Weggabelung, an einem Bach, an einem
Orts- oder Hinweisschild, an Orten und Stellen, wo sich eigenartiges tat, auch in
seinem Leben und seinen Erinnerungen. Das hielt er fest, wie ein Tagebuch, nein,
wie ein Lebensbuch. Ein Lebensbuch über sich, unsere Kultur und unser doch oft
eigenartiges Leben. Wobei man nicht immer wußte, ob man weinen oder lachen
sollte. Eine Art Till Eulenspiegel der Gegenwart. Ich gebe zu, auch ich haderte mit
vielen Bildern, auf den ersten Blick. Doch dann, wenn ich seine Anmerkungen las
und mich in diese einfinden konnte, war ich sofort begeistert. Bild und Text bildete
eine Einheit, die auch mich und meine Fotografie beeinflußt hat. Mein Foto für Wer-
ner erinnert an eine spezifische Serie von ihm, über gestrandete und ausgeraubte
Fahrräder, die diese Attacken dennoch als „Winner“ überstanden hatten. Mich hat-
te diese Serie mehr als nur fasziniert, sie hatte mein Bild von Fotografie auf den
Kopf gestellt. Ich will meine Gedanken hier nun enden lassen, obwohl es so vieles
zu sagen gäbe. Werner war für mich nicht nur ein Till Eulenspiegel der Gegenwart,
er war auch eine Art Foto-Philosoph, ein eindrucksvoller Gesprächspartner, wie es
ihn nicht wieder geben wird. Ich vermute mal, dass er die meisten Anmerkungen
geschrieben hat, über die sich viele freuten. Aber zurück . . . kam wenig, zu wenig.
Ich freue mich, dass seine Fotos noch zugänglich sind, und damit die vielen direk-
ten und indirekten Geschichten, die er gefertigt hat. Lieber Werner, es wurde hier
über Dich gesagt: Du fehlst. Ja … Du fehlst … mir auf jeden Fall. Glückauf !
Uli Weiler 10/02/2024 11:07
es ist genau richtig was du tust und sagst...natürlich sterben jeden tag menschen....am schlimmsten ist es aber das mit ihnen auch die erinnerungen,das umfeld und alle geschichten weg sind....eher tragisch für freunde und hinterbliebene....
deshalb immer richtig mal anzuhalten und was zu sagen...!!!
ein foto und einen text zu kombinieren...
macht man sich die mühe...und hält es wie mit wikipedia und anderne dingen...schaut mal rein...entdeckt man ein universum an dingen und geschichten....
so auch hier..man kann ihn immer noch googeln...freunde sehen...ereignisse....
das ist gut so
schauen wir einfach mal nach...nach menschen,geschichten....das lässt sie länger in den gedanken verweilen...
Marina Luise 06/01/2024 20:25
Winner - vielleicht sind das nicht immer diejenigen, welche am schnellsten, am stärksten oder sonstwie am ...sten sind!Vielleicht sind es diejenigen, welche da!-sind - gegenwärtig - und es auch bleiben.
Du bist nur vorausgegangen, Werner - man sieht sich! ;)
peju 29/12/2023 13:04
Und manchmal glaube ich, seinen Freund Eckie um die Ecke huschen gesehen zu haben....Er fehlt!!
Grüße aus Köln
Peter
E. W. R. 27/12/2023 18:19
In der Tat war Werners Fotografie eine Wiedergabe seines Alltags, was die meisten Fotografien hier gerade nicht sind. Wenn man sich darauf einließ, konnte man viel über unsere Gegenwart erfahren, was man sich sonst vielleicht nicht bewusst gemacht hätte. Solche Fotografie erfordert Kompromisslosigkeit bei der Auswahl dessen, was man zeigt, und Mut zum Zeigen. Dieser gezeigte Alltag hatte die Poesie des Normalen, die zuweilen die der Fiktion übertraf. Im künstlerischen Sinn hat Werner nur selten fotografiert, meistens abgelichtet, aber das war gerade das Besondere an seinen Aufnahmen. Er bleibt im Gedächtnis derer, die ihn begleiteten, und denen seine Gegenwart fehlt.Maringe 26/12/2023 23:58
Gute Nacht lieber NeydhartConny11 26/12/2023 23:08
Es mag auch gerade keiner etwas dazu schreiben..ich kannte Werner Weis.. man musste sich oft viel Zeit nehmen um seine Texte zu lesen... um ein Foto zu verstehen und kommentieren zu können, das war und ist wohl das größte Problem... auf Lob drücken ist soooooo schön einfach. Werner ist eindeutig zu früh gegangen..
er war auch als Musiker genial.
dein Räderwerk ist herrlich chaotisch,
bestens fotografiert und präsentiert,
LG, hab einen schönen Tag, herzlichst Conny